Selbstkontrolle und Zivilisation



23. April 2019: Die digitale (Parallel)-Welt


Ich mag das Wort Zivilisation. Das Wort hat etwas Anständiges und Zusammenfassendes. Manchmal versuche ich das Wort für mich klarer zu definieren und dann zerrinnt es förmlich in tausende Eindrücke und Bestandteile.

Zivilisation ist komplex, konkret und diffus zugleich und ich denke, die Zivilisation an sich bringt das was eine Epoche ausmacht auf den Punkt – aus ihr geht stets das hervor, was wir eines Tages als Geschichte bezeichnen werden.

Aber warum sehen wir Veränderungen im Ausmaß einer Zivilisation allzu oft als Gefahr an? Vielleicht weil Veränderung auch in verschiedenen Bereichen einen, oder mehrere Schritte zurück gehen bedeuten kann? Liegt es an der Ungewissheit, wohin die Reise hingehen wird bzw. wo das Ziel ist?

Nun – jede Zeit folgt einem Trend. Dieser Trend wird oft als Zeitgeist empfunden. Es geht aber schon lange nicht mehr um die Frage “Wollen wir eine Digitalisierung?” – sondern: Wie gehen wir miteinander in der digitalen Welt um? – und: Sind wir fähig diese zwei Welten voneinander zu trennen und doch in beider zu leben?

Ich bin der Meinung, dass jeder Einzelne und alle Generation zusammen dazu verpflichtet sind, überall eine gewisse Einigkeit anzustreben. Denn es liegt an uns, die Vereinbarkeit der Dinge auszuforschen, einzugehen und mit Bedacht unsere Zukunft von morgen zu formen.

Nehmen Sie Ihre Eltern und Großeltern an die Hand und zeigen Sie ihnen: “Digital” bedeutet nicht “kompliziert” und “neu” bedeutet nicht dass sie “alt” sind. Fast jedes seriöse und digitale Angebot stellt ein nützliches Werkzeug dar, wenn man gewillt ist zu lernen und einen Verhaltenskodex auch auf digitaler Ebene lebt.

Ich möchte zu einem generellen Miteinander offline* und online** beitragen und hierzu möchte ich Ihnen meinen persönlichen Verhaltenskodex offenlegen.

Im Internet gibt es viele Stolperfallen – ich behaupte, es gibt diese gleichermaßen auch offline – und trotzdem funktioniert das Zusammenleben.

1. „Worte verletzen.”

Ich finde es lustig, dass wir Kinder stets dazu anhalten mit gegenseitigem Respekt zu agieren, aber uns selbst immer wieder “vergessen”. Selbstdisziplin ist überall wichtig – sowohl im Internet als auch in der “realen” Welt. Denken Sie lieber zwei, oder auch drei Mal nach, bevor Sie sich von Ihren Emotionen leiten lassen, denn schnell kann es passieren und Sie schreiben bzw. veröffentlichen vielleicht Dinge, die schwehrwiegende, rechtliche Konsequenzen nach sich tragen können. Im Internet ist man prinzipiell identifizierbar. Wenn Sie “nur” Leser sind, dann haben Sie nichts zu befürchten. Unterstützen Sie niemals Cyber***- oder irgend eine andere Art von Mobbing****!

2.  “Glaube nicht alles, was andere sagen.”

Wie erkenne ich den Unterschied zwischen falschen und wahren Informationen? Manchmal leider überhaupt nicht, daher bleibt immer ein Risiko. Es gibt sie leider – talentierte Betrüger, die ihr Können in Untaten investieren oder ungeniert Rufmord betreiben. Es gibt Internetseiten, die Inhalte mit einer Mischung aus optisch und sprachlich ausgefeilten Falschinformationen verbreiten, oder mit trügerischen Geschäftsmodellen den Menschen das Geld aus der Tasche ziehen. Mein Tipp: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob die Information wahr ist, warten Sie ab, ob diese in anderen Medien erwähnt und bestätigt wird. Lesen Sie seriöse Zeitungen und erkundigen Sie sich gegebenenfalls bei einer/einem Fachfrau/Fachmann über die Richtigkeit der neu gewonnenen Information.

Rechtlich verhält sich der Handel im Internet ähnlich wie der Handel in der realen Welt. Käufe und Verkäufe sind im Großen und Ganzen geregelt und es gelten „traditionelle” Praktiken: Ein Warenkorb, eine Kasse und nach der Bezahlung gehört die Ware vollständig Ihnen. Die größten Unterschiede im Online- und Offline-Handel liegen eher in der Rückgabeabwicklung und der allgemeinen Logistik. Mein Tipp: Kaufen Sie regional, oder bei bekannten Hersteller und Händler auf deren Internetseiten. Sie ersparen sich dadurch manchmal hohe Lieferkosten und fördern das Geschäft regional, ohne Ihr Zuhause zu verlassen. Ich rate von Online-Einkäufen ab, wenn die Internetseite unseriös wirkt. Anhaltspunkte sind unprofessionelles bzw. unzeitgemäßes Auftreten (keine/lückenhafte Geschäftsbedingungen, Nutzungsbedingungen, Haftungsausschlüsse). Achten Sie auf gängige Gütesiegeln und bei Bewertungen auf die Häufigkeit von positiven und negativen Meinungen. Verwenden Sie Suchmaschinen um Bewertungen zu finden, oder rufen Sie ggf. beim regionalem Konsumentenschutz an. Wenn Sie trotz allem kein gutes Gefühl haben, rate ich von einem Kauf auf jeden Fall ab!

3. “Entscheide: Wen sollst du nun vor den Kopf stoßen – die Leute, oder die Wahrheit?”

Wenn Sie selbst gerne schreiben, oder Beiträge in Blogs kommentieren – versuchen Sie stehts bei der Wahrheit zu bleiben, um Ihre Leser und die Besucher nicht unnötig zu verärgern. Recherchieren Sie gründlich und lassen Sie sich nicht kopfscheu machen.

Nehmen Sie sich Zeit und lesen Sie Allgemeine Geschäftsbedingungen durch, um Angebote nicht nur zu verstehen, sondern auch Risiken vorzubeugen. Respektieren Sie das Urheberrecht von Texten, Bilder, Videos, Tonmaterial und anderem digitalem Material auf jeder Seite die Sie besuchen. Verlinken Sie gegebenenfalls die Urheber dieser Werke, wenn Sie die Erlaubnis haben etwaiges Material zu veröffentlichen. Und damit meine ich auch, dass Sie zu Ihren eigenen Kommentaren und zu Ihren eigenen Bildern etc. stehen sollen. Veröffentlichen Sie nicht unnötig jeden Moment Ihres Alltags. Schalten Sie ab und genießen Sie die Zeit offline.

Die Wahrheit ist, dass wir klare Entscheidungen treffen, wie wir leben möchten, wie wir miteinander umgehen und wie wir eine zivilisierte Zukunft schaffen.

4. “Überlasse dem Machbaren nicht alle Macht!”

Ich empfinde es als meine persönliche Pflicht, Unwahrheiten und Ungerechtigkeiten entgegenzuwirken. Lassen Sie nicht zu, dass die Welt, sei es online oder offline, verkommt.

Wenn Sie dubiose Machenschaften mit voller Sicherheit erkannt haben, melden Sie es und sprechen Sie darüber mit anderen Menschen.

Wenn Sie erleben, wie ein Mitmensch online zu Grunde gerichtet wird, setzen Sie sich für diesen doch ein, auch wenn ein Teil der Kritik vielleicht der Wahrheit entsprechen mag. Niemand hat es verdient, von einem wütenden Mob gepeinigt zu werden: In der Vielzahl ist die Kraft groß und das Wissen über Tatsachen meist klein.

Ziehen Sie persönliche Grenzen für Ihr Wohl und ein besseres Miteinander. Differenzieren Sie und lassen Sie die Unbelehrbaren selbst zum Ausgleich kommen.

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*offline: keine Verbindung mit dem Internet
**online: aktiv mit dem Internet verbunden sein
***Cyber: bezeichnet im engeren Sinne eine virtuelle Realität (Das gesamte Internet)
****Mobbing: regelmäßiges, seelisches Schikanieren, Quälen oder Verletzen

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